Zum Inhalt springen

Knusper, knupser, knäuschen, § 303 StGB an meinem Häuschen!

Was ist denn schon dabei, wenn zwei hungrige Kinder ein bisschen am Hexenhaus knabbern?
Oder ist das etwa schon Sachbeschädigung nach § 303 StGB? Und was ist damit, dass Gretel die
Hexe in den Ofen gestoßen hat? Notwehr?

Diese Fragen lassen wohl keinen Jurastudierenden mehr in Ruhe schlafen, geschweige denn
Märchen lesen. Deswegen saßen im Schwurgerichtssaal des Oberverwaltungsgerichts in
Greifswald, in dem schon so mancher Märchenfigur der Prozess gemacht wurde, Hänsel und
Gretel auf der Anklagebank.

Beiden wird Diebstahl und Sachbeschädigung am Hexenhäuschen, sowie Diebstahl an den
kostbaren Edelsteinen der Hexe vorgeworfen.
Des Weiteren wird Gretel wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher und schwerer
Körperverletzung angeklagt.

Bis auf den vorsitzenden Richter, einer des Greifswalder Amtsgerichts, waren alle Akteure
Studierende aus unterschiedlichen Semestern. Zwar hatten alle im Voraus den Sachverhalt und
die Zeugenaussagen bekommen, aber diese dienten nur als Richtlinien, so dass von allen freie
Improvisation gefordert war. Gerade bei den Zeugenaussagen führte das zu einiger Belustigung
der Zuschauer, widersprachen sie sich doch, da kein Zeuge die Aussagen der anderen vorher
kannte. Als Hänsel und Gretel dann noch begannen sich zu streiten und ganz nach Geschwisterart
sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe schoben, lacht der ganze Saal. Bei der Frage an die
Zeugin Hexe, ob sie zaubern könne, musste selbst der Richter schmunzeln. So eine Frage wird
eben nur im Märchengericht gestellt.

Auch waren die Kostüme der Teilnehmer sehr gelungen, so erschien die Hexe verrußt und mit
Hexenhut, der Zeuge Wolf ungeachtet der sommerlichen Temperaturen in einem kompletten
Wolfskostüm und Gretel sah mit ihren zwei Zöpfen und dem Weidenkorb aus wie eben eine Gretel
aussieht.

Der Prozess ging für die beiden Geschwister noch ein mal glimpflich aus. Aufgrund der sich
widersprechenden Zeugenaussagen und dem greifenden Rechtfertigungsgrund der Notwehr
bekamen sie nur eine Arbeitsauflage von 80 Tagen auferlegt. So dürfen die beiden glücklich im
Märchenland weiter leben!

Christine Hecker
Vorstand für AA
bei ELSA-Greifswald E.V.

Zurück